Berge der Bibel    29. Oktober 2006

 

Berge sind in der Regel nicht nur monumentale Gestalten der Natur und somit der Schöpfung, nein, Berge sind in erster Linie Botschaftsvermittler. In der Bibel finden wir viele Namen und Hinweise auf Berge, begleitet von unterschiedlichsten Geschichten. Sei es der mit 5.165 m höchste biblische Berg Konzertplakat Berge der BibelArarat, an dem die Arche Noahs strandete oder sei es der Gottesberg Horeb/Sinai (2.292 m), an dem sich Gott durch die großen Propheten Mose und Elija der gesamten Menschheit offenbarte, sei es Maria, die durch das Bergland von Galiläa und Judäa ca. 120 km durchs Gebirge wanderte, um ihre Verwandte Elisabeth zu besuchen oder die vielen Gegebenheiten, bei denen im Neuen Testament das Wirken Jesu sehr häufig von einem Berg ausging. Exemplarisch seien hier der Berg der Auserwählung der Jünger Jesu genannt sowie der Berg der Seligpreisung, der Berg der Verklärung, der Berg der Versuchung durch den Teufel und nicht zuletzt der Zionsberg in Jerusalem, der sicher nicht wegen der Höhe so oft wie kein anderer Berg in der Bibel genannt wird, sondern seiner zentralen Botschaft wegen.

Berge haben Symbolkraft für Größe und Stärke und sind für viele Menschen, Kulturen und Religionen Sitz der Götter oder die Wohnung Gottes. Sie sind Orte der Verbindung zwischen Himmel und Erde. So haben auch andere Völker und Religionen »heilige Berge«: die Griechen den 2.917 m hohen Götterberg Olymp, die altpersische Hochkultur den 5.642 m hohen Elbrus, die Hindus den 6.714 m hohen Kailash im Himalaya oder die Steppenvölker Ostafrikas den 5.895 m hohen Kilimanjaro. Kulturvölker ohne Berge bauten gewaltige Stufentürme (z.B. der im AltenTestament erwähnte Turmbau zu Babel) oder Pyramiden als Bindeglieder zwischen Himmel und Erde. In dieser kirchenmusikalischen Stunde will der Kirchenchor Ohlsbach seinen Blick auf bedeutende biblische Berge werfen, deren Geschichten und Botschaften von bekannten und unbekannten, von alten und neuzeitlichen Komponisten musikalisch interpretiert werden. Dass bei der besonderen Konzertthematik die musikalischen Stilrichtungen variieren, betrachten wir nicht als Nachteil. Vielmehr zeigen sie, dass die Botschaften biblischer Berge die
Komponisten zu allen Zeiten inspirierten. (Ulrike Neff)


Unter dem Titel "Erhabenes zwischen Himmel und Erde" stand im "Offenburger Tageblatt"

Minutenlanger Applaus und stehende Ovationen waren am Ende des Konzerts „Berge der Bibel“ der Lohn für abwechslungsreiche, feinfühlig vorgetragene Kirchenmusik. (…)  Die beeindruckten Zuhörer in der überfüllten Pfarrkirche wurden von den Mitwirkenden wahrhaft an die biblischen Stätte entführt. (…) Interpretiert wurden diese Werke vom Kirchenchor und einer hochkarätigen Besetzung: Martje Vande Ginste (Sopran), Judith Ritter (Alt), Patrick Labiche (Tenor) und Friedrich-Wilhelm Möller (Bariton) komplettierten die Riege der Gesangssolisten. In sechsstimmigen Passagen wurden die Profis von den Ohlsbachern Birgit Näger und Josef Teichmann unterstützt.
Diese bewiesen nicht zum ersten Mal, dass es im durch Ulrike Neff hervorragend geschulten Kirchenchor durchaus Stimmen gibt, die sich hören lassen können. Für die musikalische Begleitung sorgte das Kammerorchester der Offenburger Philharmonie am Forum unter Leitung von Frank Schilli. Hervorragend ergänzt wurden diese durch Thomas Vogt  an der klassischen Gitarre und Alban Lipps, den hauseigenen Organisten der Ohlsbacher Pfarrkirche.

 

Den folgenden Weg über die Berge des Sinai begleitet das "Ave Maria“ von Leoš Janáček, in der  Muttersprache des Komponisten gesungen von Anne von Rudloff.

 

Denn er hat seinen Engeln

„. . . befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einem Stein stoßest.“

Was gibt es Zuversichtlicheres auf gefährlichen Wegen übers Gebirge als diese Worte aus dem 91. Psalm! Mit der unvergleichlichen Vertonung durch Felix Mendelssohn-Bartholdy kehrte das Konzert gegen Ende noch einmal zum Sinai zurück, „zu einem Ort bedeutungsvoller biblischer Geschehnisse“.