Von Botschaften, Boten, Menschen und Ereignissen im Advent 14. Dezember 2014

Adventskonzert3

Die Bezeichnung „Advent“ ist dem lateinischen Wort „Adventus“ entnommen und bedeutet nicht etwa „Erwartung“, sondern vielmehr „Ankunft“ und „beginnende Anwesenheit“. Im römischen Reich war sie ein fester Ausdruck für Ankunft und Anwesenheit eines Königs, eines Herrschers oder einer Gottheit. Für die Christen, die diese Bezeichnung übernahmen, bedeutet sie die begonnene Anwesenheit Gottes. Eine Anwesenheit jedoch, die noch nicht vollendet ist, sondern in ihrer Kirche und in ihren Gemeinden weiter wachsen und gedeihen muss.

Woher aber haben Christen die Gewissheit, dass mit jener Geburt in Bethlehem der angekommen ist, den die Menschen so sehnlichst erwarten, der mit großer Macht und Herrlichkeit kommen sollte, um sie aus Not und Elend, aus Leid und Schmerz, aus Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu erlösen? Es sind die Boten und deren Botschaften, die prägenden Gestalten und beherrschenden Figuren des Advent, die ihnen diese Gewissheit geben, allen voran Maria und Johannes. Und die gleichermaßen unauffälligen wie wundersamen Ereignisse, die diese Zeit charakterisieren.

Der Engel trat bei ihr ein und sprach: „Gegrüßt seist Du, voll der Gnade“.  Eine Sternstunde der Weltgeschichte - denn hier und an dieser Stelle hat wahrhaft im Vollsinn die Anwesenheit Gottes unter den Menschen begonnen. Hier ist wirklich Advent geworden. Aber bedenken wir: Diese Sternstunde der Weltgeschichte war zugleich eine ihrer stillsten Stunden. Eine vergessene Stunde, die in keiner Zeitung stand und deren keine Illustrierte Erwähnung tat oder getan hätte, wenn es dergleichen schon damals gegeben hätte. Was uns hier gesagt wird, ist also zuallererst ein Geheimnis der Stille. Das wahrhaft Große wächst unbemerkt.“ (Josef Ratzinger)

Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Advents- und Weihnachtszeit eine sehr stille Zeit ist und sich Komponisten ihr mit besonders ruhiger, aber gleichzeitig besonders freudiger und tiefgründiger Musik zuwenden. Mit ihren Kompositionen widmeten wir unser Adventskonzert dem „Geheimnis der Stille“, den Boten und Botschaften, Menschen und Ereignissen in den Zeiten dieser Sternstunde.

(Konzertbilder: Daniel Lehmann)

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Konzerte


Von Botschaften, Boten, Menschen und Ereignissen im Advent

14.12.2014 Advent – nach christlichem Glauben die beginnende Anwesenheit Gottes auf Erden. In Zeiten, in denen  kommerzieller Weihnachtstrubel die stillen, unauffälligen Geschehnisse vor zweitausend Jahren zusehends in den Hintergrund drängt,  stellten wir die Botschaften und Boten, die Menschen und die Ereignisse, die den Advent charakterisieren, in einem Konzert in den Mittelpunkt.  Komponisten haben sich der Adventszeit mit besonders ruhiger, aber gleichzeitig  besonders freudiger und tiefgründiger Musik zugewendet. Mit ihren Kompositionen widmeten wir unser Adventskonzert einem Geheimnis der Stille und einer Sternstunde der Christenheit. -->, siehe auch "Presse"


Einheit in der Vielfalt

3.10.2009 Diese konzertante Vesper anlässlich der Verabschiedung unseres langjährigen Pfarrers, Richard Huber, lenkte den musikalischen Blick auf die fünf großen christlichen Konfessionen: die evangelische, katholische, anglikanische, griechisch-orthodoxe und russisch-orthodoxe Liturgie, die dann, mit ihren Besonderheiten, in eine Vesper-Form zusammengebracht wurden. Während der Vesper, die vom Jugendprojektorchester der Pfarrei mitgestaltet wurde, richtete sich der Blick auch auf das Kreuz hinter dem Altar, an dem die jeweils besungene Konfession mit ihren Vertretern als Bild aufgehängt wurde. So vereinten sich symbolisch alle fünf Konfessionen an diesem gemeinsamen Zeichen – dem Kreuz. -->

 

Berge der Bibel

29.10.2006 Berge übten in allen Kulturen und Religionen eine große Faszination auf Menschen aus. Die biblischen Berge der christlichen Religionen erstrecken sich von der heutigen Türkei durch den Sinai, den heutigen Irak bis nach Israel. Komponisten aller Musikepochen haben sich der biblischen Texte angenommen und großartige Werke daraus geformt. Der Kirchenchor führte die Konzertbesucher aus den altbiblischen Erzählungen der gestrandeten Arche am Berg Ararat über die Berge des Sinai, in denen Moses die zehn Gebote empfangen hatte bis hin zu den heutigen israelischen Bergen, deren bedeutsamsten Berge die des Besuches von Maria bei ihrer Base Elisabeth, der Berg der Verklärung, der Berg der Himmelfahrt und der österliche Zionsberg sind. -->, siehe auch "Bibliothek"

 

Bewegung in der Trauer

13.4.2003 Wer sind sie, diese vier Personen, die bei dem Kreuz Jesu der Überlieferung nach waren und getrauert haben? Da war zunächst der mitgekreuzigte Schächer, dem das dritte Wort Jesu am Kreuz gewidmet ist::“ Wahrlich, ich sage Dir, heute noch wirst Du mit mir im Paradiese sein.“ Sein bester Freund, Johannes, der zeitungleich oft mit überlangem Zeigefinger dargestellt wird und heute noch im „Agnus Dei“ unvergesslich bleibt, sowie seine Mutter, Maria, deren Leiden im „Stabat Mater“ seinen Ausdruck findet und Maria Magdalena, jene Frau, die von den Evangelien-Schreibern Sprachlosigkeit erfährt und nur als eine der Getreuen Jesu geschildert wird. Sara Schemann tanzte in der Gestalt der Maria Magdalena die dazugehörigen Evangelientexte.

 

Maria im Lied durch die Jahrhunderte

21.3.1999 Schon Papst Gregor sammelte im 9. Jahrhundert viele Gesänge zum Lobpreis Marias. Diese Begeisterung führte auch Hildegard von Bingen fort, bereits schon mit Bordunen unterlegt. G.P. Palestrina komponierte im frühen Barock 4- bis 8-stimmige marianische Lobpreise zu den verschiedensten liturgischen Jahreszeiten, was Monteverdi und Gombert in Favorit- und Tutti-Chören noch durch das Singen von verschiedenen Plätzen aus in bis zu 12-stimmigen Cantica auskomponierten. Die Instrumentalmusik erfuhr gerade in den Kompositionen von Buxtehude und dann in den klassischen Kompositionen von Schubert, Mozart und Bellini eine erneute Steigerung. Über Max Regers „Und unsrer lieben Frauen“ gelangte der Chor in die Tonsprache der neuen geistlichen Musik und schloss das Konzert mit Werken von Martin Dücker, Johannes Ganz und Alan Wilson. Eine besondere Leistung bot neben dem Chor auch das SWR-Rundfunkorchester aus Baden-Baden in diesem Konzert.

 

Auf den Spuren von ABBA, CATS, BEATLES, PHANTOM DER OPER, GOSPELS

7.4.1996 „Abba“, „Cats“, „Phantom der Oper“ – wer kennt sie nicht, diese legendären Musicals mit ihren unvergesslichen Hits. Auch der Kirchenchor Ohlsbach samt Projektchor der Pfarrei hatte sich dieser Musik ganz und gar verschrieben und ergänzte die bekannten Melodien mit gekonnten solistischen Einlagen des „Bustopher Mürr“, sowie der Christine aus dem „Phantom“. Ein restlos begeistertes Publikum honorierte die aufwändigen Bühnenbilder, sowie die exzellenten Darbietungen der beiden Chöre. Die Tanzsportgruppe „Body Talk“ aus Ortenberg führte dem Publikum in wunderbaren Kostümen die schönsten Begebenheiten aus den Musicals vor Augen und wurde neben der Musik zum Höhepunkt des Abends.

 

Festliche Musik zur Adventszeit

19.12.1993 „Zu schön, um wahr zu sein“ – so kommentierte ein namhafter Dozent für Chorleitung an der Musikhochschule Freiburg das Werk Rheinbergers „Der Stern von Bethlehem“. Dieser wunderbaren Komposition mit romantischem, großem Orchester, getextet von seiner Frau, Fanny van Hoffnaß,  stellte sich der Kirchenchor Ohlsbach und schloss das Konzert mit einer ebenfalls romantischen Pastoralmesse ab: der Pastoralmesse in F-Dur von Antonio Diabelli. Zwei herausragende Kompositionen, denen Rheinbergers Graduale zum Advent vorausgestellt wurden, ließen die voll besetzte Ohlsbacher Pfarrkirche zum Konzerterlebnis der besonderen Art werden.

Die Einheit in der Vielfalt    3. Oktober 2009


Pfarrer Richard HuberAm 3. Oktober 2009 gestaltete der Kirchenchor, begleitet vom Jugendprojektorchester der Pfarrei, eine kirchenmusikalische Vesper mit dem Titel "Die Einheit in der Vielfalt". Sie war ein Geschenk an Richard Huber zu seinem Abschied als Pfarrer von Ohlsbach. Mit dieser Vesper bedankte sich der Kirchenchor Hl. Dreifaltigkeit Ohlsbach für  seine 18-jährige Begleitung als Präses und seine uneingeschränkte Unterstützung in all diesen Jahren. Die Vesper spannte einen musikalischen Bogen über die fünf großen christlichen Konfessionen mit Werken von Monteverdi, Bartolucci, Mendelssohn-Bartholdy, Wilson, Parry, Schellenberger und Rimski-Korsakow.  Zu Pfarrer Hubers großer Überraschung und Freude wurde sie vom evangelischen Pfarrer Jan Mathis aus Gengenbach geleitet. Dadurch konnte, zumindest in einem kleinen Ansatz, die Vielfalt der Konfessionen vereint werden.

 

Das Titelbild der Vesper zeigt die heute noch erhaltene Höhlenkirche in der Nähe der Stadt Antakya im Süden der Türkei, dem früheren Antiochia am Orontes. Sie ist die einzige dort verbliebene christliche Spur aus der Antike. Der Überlieferung nach versammelte sich hier die erste christliche Antakya, Höhlenkirche, Ölbild von Bernd WalterGemeinde um Barnabas, Petrus und Paulus, um Zeugnis ihres Glaubens abzulegen und die Botschaften Jesu hinauszutragen in alle Welt. Somit gilt sie als Urkirche aller christlichen Konfessionen.

 

Ulrike Neff schrieb im Programmheft:

"Die Einheit in der Vielfalt
der christlichen Kirchen ist der „Blickwinkel“, unter dem viele verschiedene Aspekte, Musiken, Komponisten, vor allem aber die Eigenheiten der Liturgien der fünf großen christlichen Konfessionen zusammengeführt wurden.
So hat beispielsweise die katholische Liturgie mit Claudio Monteverdi einen großen Vertreter ihrer Konfession, dessen „Marienvesper“ als unübertreffliches Werk des Umbruches vom polyphonen Stil der niederländischen Schule zum beginnenden Barock gilt.
Die evangelische Liturgie findet in den Psalmvertonungen von Mendelssohn-Bartholdy ihren Ausdruck. Mendelssohn verwendet ausschließlich lutherische Psalmtexte. Den Psalm „Wie der Hirsch schreit“ hat er größtenteils auf seiner Hochzeitsreise in einem Freiburger Hotel mit Blick auf das Münster komponiert.
In der anglikanischen Liturgie findet sich die Besonderheit, dass im sogenannten „Evensong“, einer abendlichen Vesper-Form,  nach dem Magnificat noch das Nunc dimittis anschließt. So findet sich nach dem „Lobpreis der Maria“ über Gott also der „Lobpreis des Greises Simeon“ über das Jesus-Kind, von dem er sagt: „Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast“.
Der „Lichthymnus“ der griechisch-orthodoxen Kirche verkörpert den Gedanken des Lichtes vom Lichte. In beeindruckender Weise nehmen die Mönche in den Meteora-Klöstern die Kerzen in ihre Hände, um dann in der Dunkelheit der Klosterkirche diesen Lobgesang in ihrer Sprache zu singen.
Das „Gospodi pomiluj“, also das „Herr erbarme Dich“, ist eines der klassischen Elemente der russisch-ortodoxen Liturgie. Nach rezitierten Fürbitten des Vorsängers stimmt dann der Chor jeweils in diese Anrufung ein. Auch das „Vater unser“, das in der Schlichtheit der Komposition von  Rimsky-Korsakow erklingt, ist exemplarisch für diese Musik. Lange Töne und kaum wechselnde Akkorde verhelfen zu einer zutiefst religiösen Haltung bei diesem Gebet, das alle christlichen Konfessionen eint."

 

Wie der Hirsch schreit

" ... nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu Dir". Mit der Vertonung des 42. Psalms von Felix Mendelssohn-Bartholdy begann der evangelische Teil der Vesper.


Berge der Bibel    29. Oktober 2006

 

Berge sind in der Regel nicht nur monumentale Gestalten der Natur und somit der Schöpfung, nein, Berge sind in erster Linie Botschaftsvermittler. In der Bibel finden wir viele Namen und Hinweise auf Berge, begleitet von unterschiedlichsten Geschichten. Sei es der mit 5.165 m höchste biblische Berg Konzertplakat Berge der BibelArarat, an dem die Arche Noahs strandete oder sei es der Gottesberg Horeb/Sinai (2.292 m), an dem sich Gott durch die großen Propheten Mose und Elija der gesamten Menschheit offenbarte, sei es Maria, die durch das Bergland von Galiläa und Judäa ca. 120 km durchs Gebirge wanderte, um ihre Verwandte Elisabeth zu besuchen oder die vielen Gegebenheiten, bei denen im Neuen Testament das Wirken Jesu sehr häufig von einem Berg ausging. Exemplarisch seien hier der Berg der Auserwählung der Jünger Jesu genannt sowie der Berg der Seligpreisung, der Berg der Verklärung, der Berg der Versuchung durch den Teufel und nicht zuletzt der Zionsberg in Jerusalem, der sicher nicht wegen der Höhe so oft wie kein anderer Berg in der Bibel genannt wird, sondern seiner zentralen Botschaft wegen.

Berge haben Symbolkraft für Größe und Stärke und sind für viele Menschen, Kulturen und Religionen Sitz der Götter oder die Wohnung Gottes. Sie sind Orte der Verbindung zwischen Himmel und Erde. So haben auch andere Völker und Religionen »heilige Berge«: die Griechen den 2.917 m hohen Götterberg Olymp, die altpersische Hochkultur den 5.642 m hohen Elbrus, die Hindus den 6.714 m hohen Kailash im Himalaya oder die Steppenvölker Ostafrikas den 5.895 m hohen Kilimanjaro. Kulturvölker ohne Berge bauten gewaltige Stufentürme (z.B. der im AltenTestament erwähnte Turmbau zu Babel) oder Pyramiden als Bindeglieder zwischen Himmel und Erde. In dieser kirchenmusikalischen Stunde will der Kirchenchor Ohlsbach seinen Blick auf bedeutende biblische Berge werfen, deren Geschichten und Botschaften von bekannten und unbekannten, von alten und neuzeitlichen Komponisten musikalisch interpretiert werden. Dass bei der besonderen Konzertthematik die musikalischen Stilrichtungen variieren, betrachten wir nicht als Nachteil. Vielmehr zeigen sie, dass die Botschaften biblischer Berge die
Komponisten zu allen Zeiten inspirierten. (Ulrike Neff)


Unter dem Titel "Erhabenes zwischen Himmel und Erde" stand im "Offenburger Tageblatt"

Minutenlanger Applaus und stehende Ovationen waren am Ende des Konzerts „Berge der Bibel“ der Lohn für abwechslungsreiche, feinfühlig vorgetragene Kirchenmusik. (…)  Die beeindruckten Zuhörer in der überfüllten Pfarrkirche wurden von den Mitwirkenden wahrhaft an die biblischen Stätte entführt. (…) Interpretiert wurden diese Werke vom Kirchenchor und einer hochkarätigen Besetzung: Martje Vande Ginste (Sopran), Judith Ritter (Alt), Patrick Labiche (Tenor) und Friedrich-Wilhelm Möller (Bariton) komplettierten die Riege der Gesangssolisten. In sechsstimmigen Passagen wurden die Profis von den Ohlsbachern Birgit Näger und Josef Teichmann unterstützt.
Diese bewiesen nicht zum ersten Mal, dass es im durch Ulrike Neff hervorragend geschulten Kirchenchor durchaus Stimmen gibt, die sich hören lassen können. Für die musikalische Begleitung sorgte das Kammerorchester der Offenburger Philharmonie am Forum unter Leitung von Frank Schilli. Hervorragend ergänzt wurden diese durch Thomas Vogt  an der klassischen Gitarre und Alban Lipps, den hauseigenen Organisten der Ohlsbacher Pfarrkirche.

 

Den folgenden Weg über die Berge des Sinai begleitet das "Ave Maria“ von Leoš Janáček, in der  Muttersprache des Komponisten gesungen von Anne von Rudloff.

 

Denn er hat seinen Engeln

„. . . befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einem Stein stoßest.“

Was gibt es Zuversichtlicheres auf gefährlichen Wegen übers Gebirge als diese Worte aus dem 91. Psalm! Mit der unvergleichlichen Vertonung durch Felix Mendelssohn-Bartholdy kehrte das Konzert gegen Ende noch einmal zum Sinai zurück, „zu einem Ort bedeutungsvoller biblischer Geschehnisse“.

 

 

Von Botschaften, Boten, Menschen und Ereignissen im Advent 14. Dezember 2014

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